Dany`s Buchlieblinge

Bettina bummelt von Elizabeth Shaw

Heute möchte ich Euch gerne zwei Kinderbücher vorstellen, die ich rauf und runter gelesen habe,  als ich ca. 6 Jahre alt war. Beide Geschichten wurden von Elizabeth Shaw geschrieben und sind Teil des tollen Sammelbandes „Kennst Du Lommelchen und die drei kleinen Ferkel?“ aus dem Beltz-Verlag. Die irische Autorin ist sicher jedem ein Begriff, der gerne DDR-Bücher liest. Damals erschien „Bettina bummelt“ im Kinderbuchverlag Berlin und war 1 von ganz vielen Büchern der Reihe „ABC-Ich kann lesen“. Diese Bücher sind speziell für Leseanfänger gedacht, da die Schrift schön groß und der Text sehr einfach gehalten ist. Leider konnte ich nicht herausfinden, wie viele Bände es aus dieser Reihe insgesamt gab, aber ein Bruchteil davon füllte damals 2 komplette Regale meines Kinderzimmers.

Bis heute blieben mir besonders die Zeichnungen in Erinnerungen. Shaw versuchte immer die Dinge aus Kinderaugen zu sehen und sie genau so aufs Papier zu bringen. Gegenstände besitzen keine akkuraten Linien, man sieht ihnen an, dass es Freihandzeichnungen sind. Sehr gut erkennt man dies schon auf dem Cover der Neuauflage von 2016.

links: Cover vom Kinderbuchverlag Berlin ©, rechts: Cover Beltz Kinderbuchverlag ©

Bettina ist ein fröhliches Kind, hilft immer ihrer Mama bei der Hausarbeit und geht gerne zur Schule. Nur mit der Pünktlichkeit nimmt sie es nicht ganz so genau. Sie kommt nicht absichtlich zu spät, Bettina ist einfach nur ein wenig verträumt. So viele schöne Dinge gibt es zu entdecken, da kann man ruhig etwas später nach Hause kommen oder?
So bummelt Bettina auf dem Heimweg an einem großen Spielzeugladen vorbei. Mit großen Augen bewundert sie Dinge, die sie sich wünscht und vergisst dabei die Zeit. Ihre Mutter wartete schon lange mit dem Essen auf sie, das Bettina nur noch lauwarm zu sich nehmen kann. Am nächsten Tag jagt sie einem Kätzchen hinterher und spielt mit ihm. Natürlich kommt sie wieder zu spät zum Essen nach Hause. Da sie anschließend Mama im Haushalt hilft und Hausaufgaben für die Schule erledigen muss, bleibt am Abend keine gemeinsame Zeit mehr zu zweit übrig. Bettinas Mama ärgert das und ermahnt sie jeden Morgen erneut zur Pünktlichkeit. Auch am dritten Tag verspätet sich Bettina. Diesmal ignoriert sie alle Ablenkungen, möchte aber der Mutter eine Freude machen. Deshalb sammelt sie auf einer Wiese einen schönen Blumenstrauß. Leider brauchte sie dafür wieder so viel Zeit, dass ihr Essen abermals kalt wurde und ihre Mutter ärgerlich war. 
Erst, als ihre Mutter am Wochenende nicht zur verabredeten Zeit nach Hause kommt und sich Bettina nun große Sorgen macht, versteht sie, warum Pünktlichkeit so wichtig ist.

Bildrechte beim Beltz Verlag ©

 

Über Erziehungsmethoden lässt sich ja bekanntlich streiten. Manch einer wird die Methode, die im Buch geschildert wird, ablehnen, andere stimmen ihr zu. Ich möchte ungerne eine Wertung abgeben, kann aber aus meiner persönlichen Erfahrung behaupten, dass Bücher wie dieses in der ehemaligen DDR völlig normal waren. Es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, Kindern durch Printmedien aufzuzeigen, wie man sich zu benehmen hat, dass man anderen Menschen helfen soll, Tiere nicht quälen darf, Erwachsene zu respektieren hat u.a. Dinge. Mir haben solche Erziehungsrichtlinien nicht geschadet. Neben einer phantastischen Erziehung durch meine Eltern (danke an Mama und Papa) berührten eben solche Geschichten ein Stück weit meine Kinderseele und zeigten mir, was andere Menschen in bestimmten Situationen denken und fühlen. Resultat waren Rücksichtnahme, Mitgefühl und Respekt, die bis heute meinen Charakter prägen.
So kann ich nichts Negatives an sogenannten „Du-Du-Geschichten“ finden. Einzig, dass Bettinas Mutter den guten Willen beim Sammeln der Blumen nicht positiv gewertet hat, machte mich immer etwas traurig. In dieser Situation könnte ich als Mama wahrscheinlich nicht böse sein. 😉

 

Wie Putzi einen Pokal gewann von Elizabeth Shaw

 

Bildrechte beim Beltz Verlag ©

Bildrechte beim Beltz Verlag ©

 

Putzi ist der Sohn von Mäusemama und Mäusepapa und Bruder von Fritzi und Mitzi. Putzi lebt in einer sehr sportlichen Mäusefamilie. Sein Bruder spielt gerne Fußball, seine Schwester schwimmt. Putzi betätigt sich lieber geistig. Sport, Entspannungsübungen oder Wechselduschen sind nicht sein Ding. Er spielt lieber Dame. Und das kann er richtig gut. Leider kann er nicht oft genug üben, denn er hat ständig Schnupfen, fühlt sich krank und müde.
Seine Geschwister gewinnen ständig Pokale, Putzi nicht. Schon nach der 2. Turnierrunde im Dame spielen beginnt er zu schwächeln. Seine Konzentration lässt nach, seine Nase tropft. Er verliert.
Als er mal wieder krank im Bett liegt, hat er viel Zeit, um nachzudenken. Er versteht endlich, dass Sport gesund ist, die Leistung steigert und man viel mehr Spaß im Leben hat.
Ab da eifert er seinen Geschwistern nach, gewinnt das Turnier und ist fit und gesund.

 

Auch hier enthält die Geschichte wieder eine Moral. Sport stand in der ehemaligen DDR hoch im Kurs. Es wurde viel Geld in zukünftige Leistungssportler investiert. Das begann schon im Kindergarten. Viel Bewegung war einfach wichtig. Ein Leben ohne Sport hätte auch ich mir nicht vorstellen können. Damals war ich im Leistungssport tätig und nur eine dauerhafte Verletzung zwang mich zum endgültigen Aufhören.
Wer sich ein wenig mit der DDR-Geschichte auskennt weiß, dass Grundschüler meist ein blaues Halstuch trugen und Jungpioniere waren. Im Ausweis standen 10 Gebote, die einen guten Pionier ausmachen. Auch dort wurde uns schon früh klar gemacht, das Sport sehr wichtig ist.

9. Gebot: WIR JUNGPIONIERE treiben Sport und halten unsere Körper sauber und gesund. 😉

In unseren Kinderbüchern spielten Mäusen oft eine große Rolle. Als Kind findet man sie einfach süß. Auch der Name Putzi war damals weit verbreitet. So gab es eine Kinder-Zahnpasta, die diesen Namen trug und jeder 2. Wellensittich wurde so getauft.
Wie bei „Bettina bummelt“ sind in dieser Geschichte die Zeichnungen einfach gehalten, nicht überladen und frei Hand. Shaw beschränkte sich auf die wesentlichen Dinge, die die momentane Situation des Leseabschnittes widerspiegeln. So werden Kinderaugen nicht überfordert von zu vielen Eindrücken und verstehen die dargestellte Situation schneller.

Beide Bücher bekommen natürlich alle 5 Leseherzchen von mir     ♥♥♥♥♥

 

Die irische Autorin Elizabeth Shaw kam 1946 mit ihrem Mann nach Berlin und arbeitete u.a. für die Zeitschrift „Der Eulenspiegel“ und „Neues Deutschland“. Sie illustrierte Gedichte, Kinderbücher und schrieb ab 1962 selber Geschichten. Andere tolle Bücher aus ihrer Feder sind z.B. „Der kleine Angsthase“, „Zilli, Billi und Willi“, „Die Landmaus und die Stadtmaus“ und „Das Bärenhaus“. Shaw bediente sich teilweise vorhandener Fabeln oder erfand ganz eigene Geschichten. Für ihre Werke erhielt die Autorin den Kunstpreis der DDR, den Hans-Baltzer-Preis und den Gutenberg-Preis Leipzig.
Bis zu ihrem Tode lebte Shaw in Berlin-Pankow. Dort trägt heute eine Grundschule ihren Namen.

 

 

 

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