(N)ostalgie – Hausbuch

Viel wurde bereits im Internet über das Hausbuch der Ossis geschrieben, welches damals für uns zum Alltagsleben dazu gehörte. Ich muss zugeben, dass ich daran nur wenige Erinnerungen habe, ich war ja noch ein Kind und bekam solche Sachen nur am Rande mit. Dass die Stasi durch das Hausbuch über sämtliche Informationen einzelner DDR-Bürger und deren Kontakt zu westlichen Besuchern verfügte wurde mir erst später bewusst. Aber dazu können andere, die zu der Zeit schon erwachsen waren, wahrscheinlich viel mehr sagen als ich.

Creative Look - Hausbuch DDRCreative Look - Hausbuch DDRWoran ich mich gut erinnere waren die sogenannten „Einquartierungen“. Besonders zu Großveranstaltungen wie „Die Weltfestspiele“ wurde Ostberlin von vielen ausländischen Gästen besucht. Diese brauchten natürlich auch Unterkünfte und so wurden die Hausbewohner von der HGL (Hausgemeinschaftsleitung) regelmäßig gefragt, ob sie Gäste für ein paar Tage/Wochen bei sich aufnehmen könnten. Wir hatten desöfteren „Mitbewohner“ bei uns und für mich war das immer sehr spannend. Zum Glück konnten wir nur Positives vermelden, denn die Jungs und Mädels waren immer sehr nett und freundlich, haben sogar im Haushalt geholfen und mit mir gespielt. Diese Einquartierungen wurden im Hausbuch eingetragen. So konnte immer genau nachvollzogen werden, wenn Fremde mit in einer Wohnung lebten. Heute ist das spontane Einquartieren fremder Menschen undenkbar und auch nicht unbedingt ratsam. Ich würde mir heutzutage bestimmt keinen Wildfremden in die Wohnung holen, dazu wäre ich viel zu ängstlich. Damals gab es solche Ängste nicht.

Creative Look - Hausbuch DDR

Weiterhin gelangten ins Hausbuch sogenannte „Aufbaustunden“. Jeder Mieter war verpflichtet sich in die Hausgemeinschaft einzubringen. Dies konnte geschehen über die Reinigung des Hofes, das Bepflanzen von Beeten, das Ausrichten von Festen etc. Ich fand das damals prima. Gemeinsam mit meinen Eltern fegte ich unseren Hinterhof bis er blitzte, pflanzte Blumen ein und bastelte Einladungskarten fürs nächste Hoffest. Jeder, der sich in irgendeiner Weise am Gemeinschaftsleben beteiligte wurde verzeichnet und bekam die Stunden seiner Arbeit angeschrieben. Am Ende eines Jahres hat sich dann die HGL zusammengesetzt und die Stunden ausgewertet. Meine Eltern z.B. erhielten dann ab und zu ein Präsent für ihre gute Arbeit. Was mit denen passierte, die zu wenig oder gar keine Stunden ableisteten, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich wurden sie besoffen-gequatscht, ich weiß es wirklich nicht. 😉

Creative Look - Hausbuch DDR
Eine große Auszeichnung war die „Goldene Hausnummer“. Die bekam ein Wohnkomplex für besonders tolle Leistungen. Wer die genau vergab und welche Voraussetzungen man da genau erfüllen musste, ich weiß es nicht. Wir erhielten sie jedenfalls 1 oder 2 Mal und waren extrem stolz darauf.

Creative Look - DDR Aufbaustunden Nostalgie

Nun kann man über die Art und Weise und das ganze Drumherum sagen was man will, aber dieser Zusammenhalt untereinander und die Gemeinschaftsprojekte waren eine tolle Sache. Heute macht leider jeder nur noch sein eigenes Ding und Rücksicht gibt es kaum noch. Nachbarn machen sich das Leben schwer, keiner kennt den anderen, will auch mit niemandem etwas zu tun haben und bloß keine zusätzliche Arbeit haben. Die Treppen werden von Reinigungsfirmen gesäubert, wenn überhaupt, anstatt vom Mieter selbst, der Hof dient als Müllhalde, es wird aus dem Fenster gespuckt, Müll fliegt aus Selbigem, Hausflurtüren werden eingetreten, wenn man den Schlüssel nicht zur Hand hat und der komplette Bezirk wird von lauter Musik beschallt. Man gönnt sich ja sonst nichts. Vielleicht ist es ja nicht überall so schlimm, aber ich habe in den letzten 20 Jahren schon verschiedene Bezirke bewohnt und große Unterschiede konnte ich nicht erkennen. Leider!

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4 Kommentare zu “(N)ostalgie – Hausbuch

  1. Köstlich,außerdem hing in jeden Haus eine Tafel mit den Bewohnern des Hauses nächster Abschnitsbevollmächtigter Polizist , Hausmeister ec..
    Da hatte alles noch seine Ordnung.
    Schön das es deine Seite gibt.
    Viele Grüße Rainer

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    • Jaaaa, die Tafel, da hingen wir ALLE hihi. Wir haben im Haus auch einen Infokasten, aber der …. ist LEER ;-). Und danke Dir, ich freu mich, wenn ich Euch ein wenig Nostalgie bescheren kann.
      LG Dany

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