Der gute Herr von Knigge

navigation-0019.gif von 123gif.de Was darf bleiben, was muss weg?

Ich weiß ja nicht, wie das bei Euch so war, aber meine Eltern legten großen Wert auf „Bitte“ und „Danke“, Respekt Erwachsenen gegenüber und allgemeine Höflichkeitsfloskeln. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar, denn auch, wenn so etwas heute nicht mehr ganz so hoch im Kurs steht, sind das meiner Meinung nach die Grundsteine des Lebens, auf die sich alles andere aufbaut.
Wahrscheinlich werden über 90% der Menschen meiner Generation die Benimm-Regeln des Herrn Knigge kennen.
Mein Thema ist heute: „Sind die Benimm-Regeln überhaupt noch zeitgemäß und was hat sich geändert?“

Hiermit beschäftigt sich in Abständen auch die „Deutsche Knigge Gesellschaft“ (ja, die gibts wirklich). Was Oma uns damals beigebracht hat, muss heute nicht mehr automatisch richtig sein. Also dann, schauen wir mal.

Der Mann hält der Frau die Tür auf
Das galt damals, wie auch heute. Das ist nicht nur höflich, sondern auch hilfreich. An manchen Türen hängt man als Frau wirklich wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Besonders nervig sind Hauseingangstüren von Altbauten. Voll bepackt mit Einkaufstüten, auf High Heels stehend, in der Handtasche nach dem Schlüssel suchend MUSS ich einfach meinen Fuß zu Hilfe nehmen, um mich wenigstens einen Spalt breit in den Eingang zu schieben. Das gleiche Dilemma folgt dann erneut bei der Zwischentür und letztlich muss man ja auch noch in die Wohnung. Da bin ich wirklich dankbar, wenn mir dann jemand die Türen aufhält.
Für mich eine Regel, die bleiben darf. smileys-0012.gif von 123gif.de

Der Mann hilft der Frau in den Mantel
Damals eine ganz wichtige Regel, um als Gentlement zu gelten. Heute von der jüngeren Generation eher belächelt. Kavaliere der alten Schule helfen ihrer Begleitung noch immer in den Mantel, aber so haben sie es auch gelernt. Steckt da ein tieferer Sinn drin? Mal überlegen. Nö, jedenfalls nicht für mich. Ich denke, das schaffen wir gerade noch oder?

Für mich eine Regel, die nicht bleiben muss. hand-0005.gif von 123gif.de

„Gesundheit“ wünschen wenn jemand niest
Für mich immer eine Selbstverständlichkeit, da ich dies seit meiner Kindheit nicht anders kenne. Daher war ich sehr erstaunt zu lesen, dass das eigentlich nicht mehr nötig ist und sogar negativ bewertet wird. Herr Knigge meint dazu, derjenige, der niest, sollte sich entschuldigen. Häh???? Wieso das denn? Wir forschen nach.
Früher, als die Pest um sich griff, wünschte man beim Niesen „Gesundheit“. Nett oder? Naja, nicht ganz. Denn es ging weniger um sein Gegenüber, sondern war mehr auf sein eigenes Wohl bedacht und hatte Angst, sich anzustecken.
Und noch ein Grund, warum man Niesen nicht mehr kommentieren sollte ist, nicht extra auf Schwächen/Krankheiten hinzuweisen, um den anderen nicht bloßzustellen. Gut, das kann ich nachvollziehen. Trotzdem überzeugt mich das nicht ganz und ein „Gesundheit“ wird mir auch weiterhin rausrutschen, schätze ich.

Für mich eine Regel, die bleiben kann, aber nicht muss. waagen-0001.gif von 123gif.de

Erst der Frau die Hand geben
Hier unterscheidet man zwischen privaten und beruflichen Umgangsformen. Privat galt und gilt es immer noch. Zuerst begrüßt man die Bekannte, Verwandte, Freundin etc., anschließend den Kumpel, Onkel oder Nachbarn. Unter Jugendlichen scheint das zwar umgekehrt praktiziert zu werden, indem sich Homies ausgedehnt abklatschen und elendig lange Begrüßungsarien abhalten, aber wir gehen mal ganz gezielt von der Generation Ü20 aus.
Auch im Büro galt all das lange Zeit als besonders höflich. Heutzutage aber scheint ein Mensch eher über die berufliche Position definiert zu werden. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ein Mann in einer Führungsposition menschlich höher gestellt wird, als eine Höflichkeitsregel, die seit Jahrzehnten praktiziert wurde. Ich klinge jetzt wahrscheinlich wie Alice Schwartzer, aber ich bin keine Extrem-Emanze, die als Männer hassendes Wesen für die Frauenrechte demonstrieren geht. Trotzdem ärgert mich solche Wertung immer, weil ein Jurist menschlich gesehen ja auch nicht wertvoller sein sollte als seine Sekretärin.

Also ganz klar für mich eine Regel, die bleiben MUSS. smileys-0012.gif von 123gif.de

Der Mann bezahlt
Naja, gut für unser Portmonee ist diese Benimm-Regel auf jeden Fall, aber ist sie auch fair? Ganz ehrlich, ich war nie der Typ, der sich gerne hat einladen lassen. Im Gegenteil, ich liebe es, andere zum Essen einzuladen. Nicht, weil ich dann als großer Gönner da stehe. Nein, mir bereitet es einfach Freude. Außerdem hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn andere für mich bezahlten. Irgendwie denke ich dann immer, ich bin jemandem etwas schuldig und das mag ich gar nicht.
Und was sagt Herr Knigge dazu? Bezahlen sollte immer der, der einläd. Demzufolge bezahlt nicht ausschließlich der Mann, auch die Frau wird zur Kasse gebeten. Ich finde es mehr als richtig und fair. Der alte Satz mit dem Geben und Nehmen trifft hier auf jeden Fall zu.

Für mich eine Regel, die weg kann. hand-0005.gif von 123gif.de

Festgelegte Handy-Tabuzonen
Krankenhäuser, Flugzeuge und am Steuer (ohne Freisprechanlage) sind nicht nur laut Knigge Tabuzonen. Diese Orte sind gesetzlich geregelte Tabus, die eigentlich jeder kennt. Aber wo liegen die gesellschaftlichen Tabus? Kino, Theater, Kirche, Beerdigung … an diesen Orten sollte man das Telefonieren eher unterlassen. Aus Rücksicht auf die Privatsphäre finde ich diese Regel sehr vernünftig. Ich könnte mir jedenfalls nicht vorstellen, auf einer Beerdigung mein Handy zu zücken, um mich mit meinem Telefonpartner zum Diner zu verabreden. Das wäre wirklich respektlos.

Für mich eine Regel, die bleiben MUSS. smileys-0012.gif von 123gif.de

Fallen Euch Benimm-Regeln ein, die Ihr überholt findet oder welche, die Ihr selber praktiziert? Dann schickt mir einen Kommentar. Ich bin gespannt wie Ihr das seht.

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